Interieur · Kollektion
Knoll Chermayeff Storage: Florence Knolls Sideboards auf neuen Wegen
Der Berliner Architekt Sam Chermayeff gibt Florence Knolls Sideboards von 1961 neue Maße, neue Aufgaben und drei neue Lacke. Knoll nennt das Ergebnis adaptive Wiederverwendung.
Florence Knolls Sideboards von 1961 gehören zu den leisen Klassikern der modernen Möbelgeschichte: niedrig, präzise, gebaut aus Stahl, Furnier und Marmor. Nun hat Knoll einen Architekten gebeten, sie weiterzudenken. Knoll Chermayeff Storage, vorgestellt am 23. September 2026, ist eine Kollektion von Sam Chermayeff, die Florence Knolls Gestaltungsprinzipien in das heutige Wohnen überträgt.
Die Grammatik einer Pionierin
Florence Knoll hat den modernen Arbeitsplatz mit klaren architektonischen Lösungen geprägt, die veränderten, wie Räume geplant wurden. Sie war überzeugt, dass Möbel die Architektur formen sollen, statt sie bloß zu belegen, und nach Angaben von Knoll prägt diese Haltung die Marke bis heute. Ihre Sideboards lassen sich als reinste Form dieser Idee lesen: Möbel, die sich wie eine Wand, eine Brüstung oder eine Bezugslinie verhalten.
Chermayeff geht von der Strenge ihrer Sideboards aus dem Jahr 1961 aus und ergänzt neue Formen für die Art, wie Menschen heute leben. Ziel ist, wie Knoll es beschreibt, eine Gruppe von Entwürfen, die freiere Formen des Wohnens und Arbeitens ermöglicht.
Ich liebe dieses System dafür, dass es so viele verschiedene Ausdrucksformen aushält.
Sam Chermayeff

Stauraum als Kulisse
Chermayeffs Interesse an Gemeinschaft und geteiltem Wohnen zeigt sich darin, wie die Kollektion Stauraum behandelt. Er dient nicht dem Verstecken, sondern als kuratierte Kulisse für persönliche Gegenstände, Bücher und Fundstücke. Hohe offene Regale lenken den Blick nach oben und geben einem Raum architektonisches Gewicht. Ein Barschrank ist praktischer Stauraum und Mittelpunkt für Gäste zugleich. Couchtisch, Beistelltisch und Konsolentisch haben integrierte Schubladen.
Neu ist auch die Farbpalette. Zu den Oberflächen gehören drei Lacke namens Dark Red Ultra, Dark Python und Iris, die das strenge Vokabular von Knoll für deutlich persönlichere Räume öffnen.

Eine dritte Kategorie
Knolls Creative Director Jonathan Olivares ordnet das Projekt bemerkenswert ein. Neue Möbel seien in der Regel entweder völlig neue Entwürfe oder Wiederauflagen historischer Stücke, neu aufgelegt oder in neuen Farben und Oberflächen. Indem Chermayeff Florence Knolls Sideboards neue Maßstäbe und Typologien gibt, gebaut nach der Konstruktionslogik von Knoll aus Stahl, Furnier und Marmor, interpretiert er eine Ikone neu, statt sie nur zu restaurieren.
Das Ergebnis eröffnet eine neue, dritte Kategorie: adaptive Wiederverwendung.
Jonathan Olivares, Creative Director, Knoll
Architekten verwenden den Begriff für Gebäude, die mit einer neuen Nutzung ein zweites Leben bekommen. Auf ein Sideboard übertragen ist er ein nützlicher Gedanke für alle, die ein Haus einrichten: die Proportionen behalten, die funktionieren, und ändern, was man von ihnen verlangt.

Der Architekt und der Familienname
Sam Chermayeff ist gebürtiger Amerikaner, ausgebildet in Texas und London, und arbeitet in Berlin. Er ist Gründungspartner und Direktor der Architekturbüros June 14 Meyer-Grohbrügge & Chermayeff und Sam Chermayeff Office. Seine Verbindung zu Knoll ist persönlich: Sein Vater Ivan Chermayeff verantwortete Anfang der 1990er Jahre gemeinsam mit Tom Geismar das neue Erscheinungsbild von Knoll und dessen grafische Standards.
Knoll selbst wurde 1938 in New York City gegründet. Das Portfolio reicht von Eero Saarinen, Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe bis zu zeitgenössischen Gestaltern wie Willo Perron, Jonathan Muecke und dem Büro Johnston Marklee.

